Fahrtensegler trotzten dem Wind
80 Segelyachten hatten sich bis Samstagfrüh für die Pfingstregatta angemeldet. Doch das Wetter sorgte für den Abbruch.
Kühlungsborn. Zu wenig Wind bei der Kühlungsborner Pfingstregatta – das hatte es schon gegeben. Aber ein Abbruch wegen zu starken Windes. Diese Erfahrung machten Veranstalter wie Skipper in diesem Jahr zum ersten Mal. Begonnen hatte am Freitag alles wie immer. Von Kühlungsborn aus machten sich einheimische Boote und Gastsegler am Abend auf den Weg nach Rostock. Dort besprachen die Crews wie gewöhnlich vor dem Schlafengehen ihre Taktik für die bevorstehende Wettfahrt am Sonnabend und nahmen auch die Wetternews zur Kenntnis, die Windstärken um 4 bis 5 Beaufort für den nächsten Tag in der Mecklenburger Bucht vorhersagten.
Etwa 80 Crews hatten sich für das am Samstag geplante Segelereignis angemeldet, das vor Warnemünde beginnen sollte und in Kühlungsborn zu beenden war. Doch die Wettfahrt fand gar nicht erst statt. Zwar wurden am Morgen in Kühlungsborn noch die Tonnen für die Wendemarke Höhe Balticplatz und das Ziel vor der Seebrücke ausgebracht. Aber schon das erwies sich als schwieriges Unterfangen. „Der Wellengang machte uns sehr zu schaffen“, berichtete später Regattaveranstalter Rüdiger Kozian vom Kühlungsborner Yachtclub. Die neuen Windmeldungen brachten schließlich die Gewissheit: Es blies kräftig in Stärke sechs – in Böen sogar bis Stärke acht – aus Richtung Nord-Nordost. „Es gab für uns keine andere Wahl, wir mussten die Regatta abbrechen. Hätten bei dem Wellengang wohl auch keinen ordentlichen Start hinbekommen“, informierte Kozian kurz nach dem Abbruch. „Die Sicherheit hat absoluten Vorrang“, fügte er erklärend hinzu. Trotzdem postierte sich der Yachtclub-Chef auf der Seebrücke. Am Horizont hatte er mit dem Fernglas etliche Segel ausgemacht. Über Funk waren die meisten Segler auf der Ostsee vom Regatta-Abbruch in Kenntnis gesetzt worden. „Die Verständigung war wegen des Windes so schlecht, dass wir dreimal nachgefragt haben“, erklärte später Skipper Jürgen Schulz von der Kühlungsborner Segelyacht „Fast Lady“. Die Hälfte der Fahrtensegler kehrte unverrichteter Dinge zu den sicheren Liegeplätzen in Rostock zurück. Doch 40 andere Crews, darunter auch die der „Fast Lady“ trauten sich zu, ohne den üblichen Wettfahrtstress und trotz des starken Windes Kühlungsborn segelnd zu erreichen. Von dem unterwegs Erlebten werden einige wohl noch lange zu erzählen haben. „Einige Wellen waren fast zwei Meter hoch. Wir mussten uns gut festhalten, um nicht über Bord zu gehen“, berichtete Jürgen Schulz. Ein Crewmitglied wäre unterwegs fast weggespült worden, konnte aber gerade noch rechtzeitig festgehalten werden. Den Weg zur Zieltonne vor der Seebrücke sparte sich der Kühlungsborner. Denn die Einfahrt in den Bootshafen des Ostseebades war schon kompliziert genug. Weil der Wind mehr aus nördlicher Richtung blies, mussten die Skipper aufpassen, dass ihr Boot beim Einfahren mit Motorkraft nicht an die linke Mole gedrückt wurde. Besonders für Schiffe mit schwachem Motor eine sensible Angelegenheit. Die „Fast Lady“ passierte dann aber wohl auch dank der Erfahrung des Skippers sicher die Einfahrt, genau so wie alle anderen Boote – mit einer Ausnahme. Ausgerechnet das Vereinsboot eines Rostocker Clubs wurde vom Wind an dieMole gedrückt und kenterte. Die Besatzung konnte gerettet werden.
Etwas „sportlichen Humor“ zeigte die Crew des Kühlungsborners Rico Hellenbach. Seine Yacht „Majestic“ fuhr als einzige über die Ziellinie vor der Kühlungsborner Seebrücke, aber ohne vorher noch die Wendemarke zu umsegeln. So konnte auch diese Crew die begehrte „Europa- Hotel-Trophy“ nicht für sich beanspruchen. Am Ende waren auch die Segler dieses Schiffes froh, im sicheren Hafen zu liegen. „Dass die Regatta abgesagt wurde, war schade, aber die richtige Entscheidung“, betonte Horst Gigga. Der erfahrene Skipper hatte mit seiner „Luffe“ schon die anspruchsvolle mehrtägige Regatta um Bornholm gewonnen und auch Pokale der Kühlungsborner Pfingstregatta kann er vorweisen.
Die neuen Pokale blieben diesmal allerdings im Vereinshaus des Yachtclubs. Es gab keine Siegerehrung auf dem Hafenplatz wie sonst. Doch ausgewertet wurde der Tag dennoch. So nutzte Rüdiger Kozian die Gelegenheit, den Rettern zu danken, die durch ihren beherzten schnellen Einsatz die verunglückte Crew bargen. Und auch das vom Ausrichter der Segel- und Hafentage, Axel Matzkus, in Aussicht gestellte Freibier floss am Abend reichlich.
Von ROLF BARKHORN Quelle Ostsee-Zeitung

