Hochsaison mit Wurm: Ostsee lockt im Winter
In Rerik und Kühlungsborn tummeln sich jetzt viele Angler, um Dorsch, Forelle und Flunder zu erwischen.
Rerik/Kühlungsborn Der eisige Wind, der mit Stärke fünf bis sechs auf die Küste weht, stört die vier Männer auf der Reriker Seebrücke nicht. Sie gehen trotzdem ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, stellen mit vier Meter langen Angelruten Dorsch, Meerforelle und Plattfisch nach. 40 bis 60 Meter weit werfen sie ihre Köder aus. „Durch den Sturm ist das Wasser aufgewühlt und sehr trüb. Da bringen Kunstköder nichts. Wattwurm ist immer noch das beste Lockfutter für den Dorsch“, sagt Nils Grautich.
Der Petrijünger aus Rostock kommt gern zum Angeln nach Rerik zur Seebrücke, wo man das Auto unweit des Angelplatzes parken kann. „Bis es dunkel wird, werde ich mein Glück versuchen“, meint der Rostocker.
Aber so schlecht meint es das Glück diesmal gar nicht mit ihm. Heftig zuckt die Spitze einer seiner Ruten. Das deutliche und einzig sichtbare Zeichen für einen Biss. Wenig später zieht Grautich eine stattliche Flunder aus der Ostsee. Und es dauert nicht lange, da zappelt ein stattlicher Dorsch am Haken, 60 Zentimeter lang und knapp fünf Pfund schwer. „Daraus mache ich Filets zum Braten“, freut sich der Angler.
Mit Wattwurm als Köder hatte er richtig getippt. „Ich hatte in Rostock noch die letzten Exemplare bekommen“, berichtet Grautich.
Aufgrund des stürmischen Wetters in den letzten Tagen ist es nämlich zu einem Engpass bei der Lieferung von Ködern gekommen. „Die Wattwürmer kommen aus den Niederlanden, werden dort im Wattenmeer aus dem Sand gespült. Diese Arbeiten mussten jetzt wegen des Sturmes unterbrochen werden“, erklärt Michael Lorenz vom Reriker Angelfachgeschäft „Wattwurm“ in Rerik. Lorenz hofft aber, dass er zum Wochenende eine frische Lieferung aus Holland erhält.
Denn während bei den meisten Touristikunternehmen jetzt allgemeine Flaute herrscht, ist bei Anglern und Angelfachgeschäften Hochsaison angesagt. „Es gibt auch in Rerik Vermieter, die sich darauf eingestellt haben, dass im Winterhalbjahr Angler in Gruppen für ein paar Nächte buchen. Allerdings muss man da auch flexibel sein. Wenn das Wetter nicht ideal ist, sagen die Angler auch mal ab“, weiß
Michael Lorenz, der seine Kunden an eine Pension in Rerik vermittelt.
Das Wetterproblem kennt Jürgen Schulz auch. Der Kühlungsborner betreibt ein Wassersportcenter mit Hotel, Gaststätte und Angelshop in Kühlungsborn West.
Auch vermietet der 47-Jährige zehn Angelboote mit Außenbordmotoren unter 5 PS. „Die Boote haben wir wegen des Hochwassers erstmal an Land in Sicherheit gebracht. Bei Sturm kann ich die sowieso nicht vermieten“, sagt Schulz. Er hofft aber, dass sich das Wetter in den nächsten Tagen stabilisiert und seine Angelflotte wieder auslaufen kann.
Für den Angelshop, den Schulz bisher noch in einem Container untergebracht hat, will er sich eine andere Lösung einfallen lassen.
Quelle: Ostsee Zeiting
Rolf Barkhorn
Begehrte Ostseefische:
Ostseedorsch: Fang ganzjährig erlaubt, Mindestmaß in Küstengewässern: 38 cm;
Meerforelle: Schonzeit an der Küste vom 15. September bis 14. Dezember; Mindestmaß: 60 cm;
Scholle/Flunder: Fang ganzjährige erlaubt, Mindestmaß für beide 25 cm
• Qelle:
www.lallf.de

